Pressespiegel

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Blick nach Rumänien

Uraufführungen im Sinfonietta-Konzert

DNN Nähe und Ferne Keuck

Alexander Keuk, 24.Oktober 2015 (Dresdner Neueste Nachrichten)

 

Bachs Werk kommentiert

Bedarf ein strukturell und inhaltlich so reichhaltiges und klares Werk wie Bachs Weihnachtsoratorium eines Kommen- tars? Eigentlich sicher nicht. Doch wenn es in dieser textlich wie musikalisch fein- sinnigen, das Werk nicht antastenden Weise geschieht wie hier im Konzert der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik, kann man das Wagnis eingehen. Die deutsche Schriftstellerin Carola Moos- bach hat nach eigenem Bekunden eine Vorliebe für religiöse Lyrik und fühlt sich insbesondere von Bachs Kantaten ange- sprochen. Daraus resultierte das Vorha- ben, diese zu kommentieren. Hier nun erlebte man, dass sie einzelne Momente der Weihnachtsgeschichte herausgriff und darüber in poetischer Form sinnier- te. Mit dem Dresdner Komponisten Mat- thias Drude fand sie einen Partner auf gleicher gedanklicher Wellenlänge, der ihr musikalisch folgte. Herausgekom- men sind den Bach-Kantaten jeweils vorangestellte Miniaturen, die auf Grund- aussagen eingingen und Teile des musi- kalischen Materials gedankenschwer und sehr expressiv weiterverarbeiteten. Die Stärke der Kommentare lag vor al- lem in ihrer Stimmungsdichte, die Bach nicht widersprach, sondern diesem den Boden bereiteten.

Mit Ausnahme der 2. Kantate stand das Konzert unter der Leitung von Ste- phan Lennig, der viel Wert auf Klang- schönheit, Präzision und Ausdruckskraft legte. Angesichts der räumlich beding- ten, getrennten Aufstellung der Stimm- gruppen des Chores war es nicht ein- fach, die notwendige Klangbalance her- zustellen. Doch er schaffte es zusammen mit dem gut disponierten Chor der Hoch- schule für Kirchenmusik, der in kleiner Besetzung auftrat und das Werk frisch und geradlinig interpretierte. Nicht zu verschweigen sind ein paar Merkwür- digkeiten in der Tempowahl. Einen so gehetzten Eingangschor habe ich kaum vorher gehört. Und warum andererseits etwa der Choral „Wie soll ich dich emp- fangen“ in geradezu erstarrender Lang- samkeit herüberkam, erschloss sich auch nicht so recht.

Im Rahmen seiner Diplomprüfung hatte Andreas Kastl die zweite Kantate übernommen und schlug sich dabei höchst respektabel. Insbesondere das fein akzentuierte Kindelwiegen zu Be- ginn gelang ihm ausgesprochen gut. Dass die Choräle ein erhebliches Mehr an musikalischer wie gestalterischer Dif- ferenzierung vertragen, kann ja viel- leicht beim nächsten Mal berücksichtigt werden.

Orchestrale Solidität mit vortrefflich agierenden Bläsern – allen voran die glanzvolle Solotrompete in der Bassarie „Großer Herr und starker König“ – und einem inspirierenden Continuo um Mar- tin Strohhäcker an der Truhenorgel brachte die Sinfonietta Dresden in ge- wohnter und erwarteter Souveränität ein.

Lyrische Stimmschönheit verband der Tenor Benjamin Glaubitz mit erzähleri- scher Aussagekraft. „Natürlich“ sang Matthias Weichert seinen Basspart aus- wendig – prägnant und intensiv, wie man es von ihm kennt. Stephanie Atana- sovs warme und biegsame Altstimme hat sich in wunderbarer Weise weiterentwi- ckelt, so dass alle drei Arien bei ihr zum beeindruckenden Erlebnis wurden. Zu- verlässig ergänzte Gertrud Günther das Solistenquartett.

Mareile Hanns, 18. Dezember 2014 (Dresdner Neuesten Nachrichten)

 

Nachtmusik: Jubiläumskonzert Sinfonietta Dresden

Das musikalische Dresden und sein Um- land erhält nicht nur durch die großen Konzertereignisse ein Gesicht. Es lebt auch und vor allem durch die Vielfalt, durch große und kleine Konzerte in Sä- len und Kirchen, durch Chöre und Kan- toreien – allen finanziellen und sonstigen Widrigkeiten zum Trotz. Daran, dass die- ser Reichtum so vorhanden ist (und hof- fentlich bleibt), hat die Sinfonietta Dres- den einen gewichtigen, unverzichtba- ren Anteil. Seit nunmehr zwanzig Jahren ist das Ensemble zuverlässig, hoch moti- viert und in bester Musizierlaune zur Stelle, immer wieder und zumeist auf ei- nem sehr guten musikalischen Niveau. Ein Glücksfall für Dresden!

Und – das Orchester hat sich eines be- wahrt: Es ist jung geblieben. Davon kün- dete auch das Jubiläumskonzert an die- sem Wochenende. Man schenkte sich und dem Publikum dazu etwas Besonde- res, nämlich eine musikalische Nacht- wanderung. Bei Mozart machte der Klangkörper einen Bogen um die be- rühmte „Kleine Nachtmusik“ und ent- schied sich für die galant-heitere Sere- nata notturna KV 239. Mit leichter Hand und viel Gespür für den Witz und den Charme der Komposition machten sich die Streicher und der Paukist ans Werk, blitzsauber und elegant in der Tonge- bung. Der reinste Ohrenschmaus! In süd- liche Gefilde entführte Luigi Dallapicco- las „Piccola musica notturna“, als eine Kammermusikbesetzung unter Judith Kubitz ein intimes, fein ausbalanciertes Stimmungsbild zeichnete. Die Damen und Herren überzeugten hier besonders durch atmosphärische Dichte und den wunderbar differenzierten Klang.

Zum Jubiläum gab es auch eine Ur- aufführung. Der 1978 geborene Sebasti- an Elikowski-Winkler steuerte „(z wja- corka, z wjacorka) wjelika ’sma (Nachts ist) große Finsternis“ bei. Nach eigenen Worten interessierten den Komponisten dabei die Farben der Nacht, „das Span- nungsfeld zwischen Dunkel und Licht“. Herausgekommen sind sich auftürmen- de, große Klangflächen, die gelegentlich von Harmonium, Harfe und Schlagwerk aufgebrochen werden und ihre Gleich- förmigkeit verlieren. Die Sinfonietta mu- sizierte das etwa viertelstündige Werk sehr konzentriert und von nie erlahmen- der Binnenspannung getragen, feinsin- nig und pointiert.

Die nächtlichen Ausflüge wurden von zwei weniger zum Thema gehörenden Werken umrahmt. Den klangschönen Anfang machte Glucks Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis“.

Auch wenn man – wie eingangs er- wähnt – von Beginn an um die orchestra- le Güte der Sinfonietta Dresden weiß, so versetzte diese fulminante Interpretation von Beethovens „kleiner“ 8. Sinfonie F- Dur op. 93 doch in nicht geringes Erstau- nen und letztlich in große Begeisterung. Das in die Stille hineingerufene Bravo war ohne jede Einschränkung berech- tigt. Die Sinfonie hat einen doppelbödi- gen Charakter. Sie ist „das Werk eines Humors, dem nicht zu trauen ist“. An diesem Abend faszinierte der wahrlich mitreißende musikantische Elan, den das eher klein besetzte Orchester schier ohne Grenzen verströmte und der die- sem Beethoven nur gut tat. Als ob die hallige Akustik in der Dreikönigskirche nicht vorhanden wäre, verstanden sich Judith Kubitz und die Sinfonietta vor- züglich auf die filigranen Klangfarben, die kostbaren Details der Sinfonie, lie- ßen aber auch Überschwang und Ge- fühlswärme zu ihrem Recht kommen. Kurzum – die Sinfonietta näherte sich Beethoven mit Herz und Verstand (und großem Können), dass es eine Lust war, zuzuhören.

Mareile Hanns, 22. September 2014 (Dresdner Neuesten Nachrichten)

 

Das Lob der Schöpfung

Chorus 116 mit Haydn in der Marienkirche Pirna

Auch diesmal war nach dem Konzert be- friedigt festzustellen: Es macht eine un- ausgesetzt große Freude, an der Ent- wicklung des Chorus 116 unter Milko Kersten teilzuhaben. Dafür ist die auf hohem Niveau stehende musikalische Seite verantwortlich, aber auch das stete Bemühen um Repertoirevielfalt. Nein, auf der Stelle treten ist dieses Ensembles und seines Chefs Sache nicht! Und man hakt nicht nur einfach so ein weiteres Werk der Chorliteratur ab. Auch Haydns „Schöpfung“, die jetzt zutreffenderwei- se am Vorabend des Sonntags Jubilate an der Reihe war, erlebte einen sehr in- dividuellen, wohldurchdachten Gestal- tungsansatz, fernab des gängigen Durch- schnitts. Da darf man auf weitere Taten bei anderen Werken gespannt sein.

1798 fand die damals begeistert auf- genommene Uraufführung des Oratori- ums, dessen Textvorlage Gottfried van Swieten lieferte, statt. Heute ist man manchmal angesichts der „Naivität“ des Werkes, des Textes in Verbindung mit der recht bildhaften, ja naturalistischen Tonsprache Haydns geneigt, darüber zu lächeln. Aber das Oratorium ist ein Kind seiner Zeit, der Aufklärung. Wenn man sich daraus dann auch noch die Fragen der Menschheit nach dem woher und dem wohin stellt (wie es Milko Kersten in seinem Einführungstext tat), den Er- halt der Schöpfung problematisiert, ge- winnt die Aufführung von Haydns „Schöpfung“ plötzlich eine sehr heutige Dimension – in diesem Falle nicht nur theoretisch, sondern glücklicherweise auch in der praktischen Umsetzung durch den Chorus 116 und Milko Kers- ten sowie alle anderen Beteiligten.

Dass der Chor bestens probiert, enga- giert und mit einem in allen Stimmgrup- pen ausgewogenen Klangbild an den Start geht, ist hier bei diesem Ensemble „natürlich“ selbstverständlich. Intonato- risch stand alles meistens zum Besten. Stilistisch und gestalterisch fand man auch zu Haydn den richtigen, d.h. leben- digen Zugang. Peinlich genau kamen Milko Kersten und seine Mitstreiter den klanglichen und dynamischen Anwei- sungen Haydns sehr differenziert nach. Der begeisternde Chorjubel in „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ oder noch gewaltiger am Ende in hymnischer Überhöhung „Singt dem Herrn“ durfte sich in aller Pracht entfalten, nicht nur präzise, sondern höchst ausdrucksstark und beeindruckend.

Schon traditionell ist die Partnerschaft des Chores mit der Sinfonietta Dresden, die auch diesmal sensibel und farben- reich ihren Part erfüllte, sich nahtlos in das Gesamtkonzept einpasste. Ach, wie geradezu liebevoll spürten die Damen und Herren (zusammen mit dem Gott- hold Schwarz) z.B. etwa Haydns detail- reichen Einfällen bei der Erschaffung des Tierreichs nach. Wunderschön! Mil- ko Kersten stand dem Ganzen nicht nur überhaupt und als Dirigent vor, sondern fügte auch in den Rezitativen die nöti- gen Cembaloakzente ein. Auch so etwas ist nicht alltäglich.

Reiche oratorische Erfahrungen brachten Jana Reiner (Gabriel) mit ih- rem leuchtend schönen Sopran und Gotthold Schwarz mit seinem profunden Bass als Raphael ein. Da wusste man von Vornherein, dass an diesen Stellen Qua- lität geliefert werden würden. Der Tenor André Khamasmie steht erst an einem früheren Karrierepunkt. Nachdem er sei- ne Anfangsnervosität schnell abgelegt hatte, überzeugte er mit kraftvoller Stim- me und respektabler Ausdruckskraft. Als echte Novität und damit abweichend von anderen Aufführungen ist die Tatsa- che zu bezeichnen, dass die Partien des ersten Menschenpaares im dritten Ora- toriumsteil gesondert besetzt waren. Das gab den Studierenden der hiesigen Hochschule Anne Pretzsch – ausgestat- tet mit einem flexiblen, silbrig hellen So- pran – und dem Bariton Henrik Marthold (eine schön timbrierte Stimme, die frei- lich mehr an Durchschlagskraft gewin- nen muss) Gelegenheit, sich zu bewei- sen. Und das taten sie denn auch erfolg- reich.

Mareile Hanns, 12. Mai 2014 (Dresdner Neuesten Nachrichten)

 

Verpflechtung von Tradition und Moderne

Herchet-Aufführung in der Kathedrale

Wer nach Mexiko reist, wird ihr schwer- lich aus dem Weg gehen können, der „Jungfrau von Guadalupe“. Ein Bild der Nationalheiligen hängt in fast jedem me- xikanischen Haushalt, die ihr gewidme- te Basilika in Villa de Guadalupe vor den Toren von Mexiko-Stadt ist ein bedeu- tender Wallfahrtsort und eine wichtige Sehenswürdigkeit des Landes. Vor die- sem Hintergrund ist es umso bemerkens- werter, wenn ein deutscher Komponist vom Erzbischof von Puebla den Auftrag erhält, ein abendfüllendes Werk über das Leben der Heiligen zu schreiben. Dem Dresdner Jörg Herchet wurde die- se Ehre zuteil, seine „Cantata para la Fiesta de Nuestra Señora de Guadalu- pe“ für Bariton, Vokalquartett, Chor und Instrumentalensemble wurde im April 2013 mit einheimischen Musikern in der Kathedrale von Pueblo erfolgreich ur- aufgeführt, allerdings noch in einer ver- kürzten Fassung. Jetzt konnte man an nicht minder würdiger Stelle in Dresden, nämlich in der Kathedrale, die erste Auf- führung des kompletten Werkes erle- ben.

Die Legende von der Heiligen ist rasch zusammengefasst: Im 16. Jahrhun- dert, kurz nach dem Einfall der Spanier, offenbart sich die Jungfrau Maria dem Indiojungen Juan, der seinerseits den Erzbischof für den Bau einer Kathedrale gewinnen soll. Erst nach einem „Rosen- wunder“ ist dieser tatsächlich überzeugt und lässt am Ort der Marien-Erschei- nung schließlich eine große Kirche er- richten. Der Kantatentext des Theologen Jörg Milbradt orientiert sich eng an die- ser Geschichte und vermischt dabei die alte Indiosprache mit Spanisch, Latein und Deutsch. Alte und Neue Welt treffen hier freundlich aufeinander. Diese inte- ressante Verflechtung von ganz traditio- nellen und sehr modernen Elementen findet sich analog in der Musik wieder. Im solistisch besetzten Instrumentalen- semble sind – neben Flöte, Oboe, Violi- ne, Horn und vielen weiteren – zahlrei- che Instrumente der mexikanischen Ur- einwohner besetzt. So stehen europäisch vertraute Klänge neben ganz archaisch anmutenden, ungewohnten Tönen.

Generell setzt Herchet auf Klangbil- der, auf Stimmungen, ja im besten Sinne auf Effekte. Die Kantate ist für die Hul- digung einer Heiligen entstanden, und hier ist der bekanntermaßen sehr religi- ös geprägte Komponist ganz in seinem Element. Die Musik ist zutiefst positiv gedacht. Die Spannweite reicht von mar- kanter Rhythmik über minimalistisch ge- prägte, sphärische Klangbilder bis zu kraftvollen, mitreißenden Forteausbrü- chen. Die effektvolle Einbeziehung des Raumes erhöht die Wirkung. Wenn schließlich die Zuhörer gemeinsam mit den in der Kirche verteilten Musikern in traditionelle Hymnen einstimmen, zielt dies deutlich auf eine Art religiöses Ge- meinschaftsgefühl, das in Mexiko sicher noch mehr Eindruck hinterließ als beim hiesigen klassischen Konzertpublikum.

Dass man das Konzert zufrieden und um etliche interessante Erfahrungen rei- cher verließ, war nicht zuletzt der sehr geschlossenen Leistung aller Ausführen- den zu verdanken. Als Solisten sangen Clemens Heidrich (Bariton) und ein Vo- kalquartett mit Gertrud Günther, Uta Volkmar, Michael Käppler und Marcus Steffen. Mitglieder der Meißner Kanto- rei 1961 und die Dresdner Kapellknaben verbanden sich zu einem dichten und dabei wunderbar klaren Chorklang, die Musiker der Sinfonietta Dresden boten überzeugende Einzelleistungen. Die Ge- samtleitung lag in den Händen von Christfried Brödel, langjährig erfahren im Umgang mit neuer Musik und dem Werk Jörg Herchets. Auf ergriffene Stille folgte langer freundlicher Applaus.

Katja Neumann, 10. Mai 2014 (Dresdner Neuesten Nachrichten)

 

Mit Entdeckerlust und Können: Festkonzert zu 20 Jahre Sinfonietta Dresden

20 Jahre Sinfonietta Dresden – ein „normales“ Jubiläum? Sicher nicht, wenn man bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten freie Ensembles auf dem Markt in Zeiten knapper Kassen zu kämpfen haben. Die Liebe zum Musizieren im Ensemble trieb die kleine Truppe um Olaf Georgi in den 90er Jahren an – der Enthusiasmus ist geblieben, manche entstandene Sorgenfalte wieder geglättet. Unzählige der oratorischen Aufführungen in Dresden wären ohne das Ensemble nicht möglich gewesen, dazu gestaltete man eigene Konzertreihen und kümmerte sich mit Elan vor allem um die zeitgenössische Musik aus Sachsen und Osteuropa, aber auch die Wiener Klassik blieb eine Konstante im Repertoire. Insofern glich das erste von vier Festkonzerten, die Sinfonietta Dresden anlässlich des Jubiläums in diesem Jahr gibt, einer klingenden Rückschau, zudem war für dieses erste Programm der Dirigent Milko Kersten eingeladen, der die Arbeit des Ensembles lange Zeit geprägt hat.

In der Dreikönigskirche fanden sich viele aufmerksame Zuhörer ein – das Festprogramm bot reichhaltige musikalische Abwechslung. Zu großen Festreden ließ man sich nicht hinreißen, stand doch die Musik im Mittelpunkt – das war bescheiden und sympathisch zugleich, aber eben auch Markenzeichen des Ensembles, dessen Programme immer schon so sorgfältig gestaltet waren, dass die Musik selbst zu sprechen imstande ist.

Die erste Konzerthälfte war von Wolfgang Amadeus Mozart bestimmt, hier schon wurde die Entdeckerlust offenbar: Anstelle eines bekannten großen Werkes entschied sich Kersten für sechs „Deutsche Tänze“ und zwei Konzertarien und trat danach den lebendigen Beweis an, dass auch vermeintlich mit flinker Feder geschriebene Gelegenheitswerke zu einigem Staunen verleiten können. Dass ein schnöder Achttakter eine Fundgrube zu vielerlei Spielerei und musikalischem Witz sein kann, zeigte Sinfonietta Dresden in den Tänzen vortrefflich. Kersten musste – ein augenzwinkernder Beweis für die Flexibilität kleiner freier Ensembles – im letzten Stück selbst im Schlagzeug aushelfen.

Die Sopranistin Marie Friederike Schöder verlieh den beiden Konzertarien „Mia speranza adorata“ und „Bella mia fiamma“ gehörigen Biss, damit deutlichen Charakter und beeindruckte durch sichere und schön geführte Koloraturen – Orchester und Solistin hatten diese Kleinode sorgsam ausgearbeitet und glänzten sowohl in den leisen Tönen als auch in der sich bis zum letzten Ton steigernden Dramatik von „Bella mia fiamma“.

Passend eingebettet zwischen die beiden Arien erschien Silke Fraikins „Grazioso 222“ – ein von der Sinfonietta 2008 uraufgeführtes Werk der Dresdner Komponistin, das sich explizit mit der im Titel genannten Ausdruckshaltung Mozartscher Musik befasst und in vielfachen Ausfransungen, Abbrüchen und Überlagerungen die bekannte Klangwelt wie in einem Prisma von der heutigen Zeit aus betrachtet.

Respekt und Glückwunsch für zwanzig Jahre lebendige Musikpflege in der Stadt

Wiederbegegnen konnte man nach der Pause auch der Musik des 2002 verstorbenen rumänischen Komponisten Tiberiu Olah, mit dem das Ensemble eine besondere Beziehung verbindet. Seine „Sinfonia Concertante“ für Flöte, Klarinette und Streicher (Solisten Olaf Georgi und Georg Wettin) zeigt eine sehr eigene Klanglandschaft zwischen auskomponierten Flächen und sich immer wieder ornamentiert steigernden und abebbenden Wellen der beiden fast verschmelzenden Soloinstrumente.

Dass eine Sinfonie von Ludwig van Beethoven den hervorragenden Konzertabend beschloss, machte schon fast Hunger auf eine neue Konzertreihe – denn so wie Milko Kersten die 2. Sinfonie D-Dur interpretierte, wäre man gespannt auf Weiteres. Oft wird dieses Stück gar nicht erst auf das Programm gesetzt und ihm eine fadenscheinige Konventionalität bescheinigt. Wenn aber wie in dieser Lesart die Sforzati im 1. Satz so stechend, der zweite Satz so kantabel und flüssig, das Scherzo differenziert und das Finale schlicht mitreißend musikantisch ausgeführt werden, dann lösen sich diese Vorbehalte schnell in Luft auf.

Der in diesem Konzert sichtlich stolz und mit Freude aufspielenden Sinfonietta gebührt Respekt und Glückwunsch für zwanzig Jahre lebendige Musikpflege in der Stadt, davon wird man sich in diesem Jahr bei den drei folgenden Festkonzerten und etlichen weiteren chorsinfonischen Terminen überzeugen können.

Alexander Keuk, 7. April 2014 (Dresdner Neuesten Nachrichten)

„Adventsstern“ der Singakademie Dresden, 15. Dezember 2009;
F. Mendelssohn-Bartholdy – „Christus“, B. Martinu – „Die Geburt des Herrn“, J. Haydn – Harmoniemesse
Johanna Will – Sopran, Lucie Ceralova – Alt, Sinfonietta Dresden, Singakademie Dresden, Leitung: Prof. Ekkehard Klemm
“ […] Narozeni pane ist ein oratorisches „Marienspiel“ von wunderbarer Melodik, farbiger Vokalbesetzung mit Singakademie-Kinderchor und zauberhaftem Orchestersatz für eine wie übersinnlich spielende Sinfonietta Dresden.“
(Sächsische Zeitung vom 17.12.2009, Karsten Blüthgen)

Adventskonzert der Hochschule für Kirchenmusik, 06. Dezember 2009
J.G. Rheinberger – „Der Stern von Bethlehem“ op. 164, Türk – „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, R. V. Williams – Fantasie über Weihnachtslieder
Gertrud Günther – Sopran, Matthias Weichert – Bariton, Sinfonietta Dresden, Chor der Hochschule für Kirchenmusik, Leitung: Prof. Christfried Brödel
„[…] Die Sinfonietta Dresden trug als mitgestaltender Partner entscheidend zum positiven Gesamteindruck bei.“ (Dresdner Neueste Nachrichten vom 08.12.2009, Peter Zacher)

Eröffnungskonzert Lausitzer Musiksommer, 04. Juli 2008
Penderecki – Intrada, Raupp – „Metamorphosen“, Eben – „Symphonia Gregoriana“
Orgel: Matthias Eisenberg, Sinfonietta Dresden, Leitung: Friedemann Böhme
„[…] Bautzens Domkantor Fr. Böhme dirigierte überaus einfühlsam die 1994 gegründete Sinfonietta Dresden, ein hochprofessionelles, aus engagierten jungen Leuten bestehendes Kammerorchester, dessen Verdienste um das musikalische Gegenwartsschaffen weithin bekannt sind.Eine festliche Blechbläser-Intrada […] stimmte auf Raupps „Metamorphosen“ ein. […] Besonders anrührend gelang Konzertmeisterin Anne-Kristin Büst das Violinsolo im dritten Satz […]. Es war ein bewegendes Konzert, bestens geeignet, um auch Klassik-Fans für zeitgenössische Musik zu sensibilisieren.“
(Sächsische Zeitung vom 07.07. 2008, Sylvia Ottenberg)

Konzert zum Mozart-Jubiläum der Kantorei Dresden-Briesnitz und der Sinfonietta Dresden am 28.01. 2006
Krönungsmesse und Sinfonie A-Dur KV 201, Kantate „Exsultate, jubilate“
[…] Die an diesem Tag besonders gut aufgelegte Sinfonietta behauptete sich auch in der A-Dur Sinfonie KV 201, […] Unter der Leitung von Kantor Thiele wurde das subtile Stimmengefüge in einer Klarheit und Durchsichtigkeit sondersgleichen ausgehorcht, artikulierte man sorgfältig und ließ es auch an Lebendigkeit nicht fehlen. […]“
(DNN vom 31.01.2006, M. Hanns)

Adventskonzert der Singakademie Dresden in der Lukaskirche, 27.11.2005
J.S. Bach, Weihnachtsoratorium / Kantaten 1 und 3, Arvet Terterjan: Sinfonie Nr.6
[…] Unter Ekkehard Klemms engagierter Leitung leisteten die Sinfonietta Dresden und die Tonregie D. Homanns, für kurze Zeit auch der Chor, Ausgezeichnetes. Der Wirkung konnte man sich nicht entziehen […]. Die mehr als solide Darbietung der beiden Kantaten durch die Solisten D. Haase, A. Mayilan, E. Stokloßa u. O. Bär, Kammer- und Kinderchor der Singakademie und Sinfonietta Dresdenkann hier nur pauschal hoch gewürdigt werden […]“
(DNN vom 29.11.2005, H.-P. Altmann)

4. Konzert der Reihe „Spannungen“ der Sinfonietta Dresden, 07.05.2005, Dreikönigskirche Dresden
Mozart-Klavierkonzerte KV 449 und KV 482, V. Bokes „Divertimento“, F. Sammler „Intermezzo“ Leitung M. Kersten
[…] Mit dem 4. Konzert der Reihe „Spannungen“ der Sinfonietta Dresden mit jeweils zwei Klavierkonzerten W.A. Mozarts und zeitgenössischer Musik steigt stetig der Kultfaktor dieses Programms […] Mozart liegt dem Orchester sehr, man darf auch feststellen, dass die Arbeit von Milko Kersten einen prägenden Charakter hat […] .Dirigent Milko Kersten konnte in diesem Konzert viele Orchesterklangfarben herausarbeiten, so gelangen ein warmer Bläsersatz ebenso gut wie die zahlreichen motivischen Details in den Außensätzen […]“
(DNN vom 09.05.2005, A. Keuck)

Jubiläumskonzert zum 10-jährigen Bestehen und 3. Konzert der Reihe „Spannungen“ der Sinfonietta Dresden, 13.11.2004
Dreikönigskirche Dresden Mozart-Klavierkonzerte KV 450 und KV 476, M. Kopelent „Das Schweißtuch der Veronika“ und „Da fragte ich mich/…………. von A. Keuck Leitung M. Kersten …… „Mit einem ihrer typischen spannungsgeladenen Konzerte beging Sinfonietta Dresden auf festliche Weise vor voll besetztem Hause ihr zehntes Jubiläum……. die Sinfonietta begleitete sehr aufmerksam und inspiriert, so dass die Pianistinnen stest ein sehr tragfähiges feld vorfanden …… .“ (DNN vom 15.11.2004, Gerhard Böhm)

Konzert der Singakademie Dresden, 27.03.2004, Versöhnungskirche Dresden „Sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze“ v. J. Haydn Leitung Prof. E. Klemm …… „Klemm konnte sich auf die Sinfonietta Dresden hundertprozentig verlassen, das zeigte sich schon in der Einleitung, setzte sich in behutsamer begleitung des Chores fort und gipfelte in dem ausgefeilten Bläser-Largo …… .“ (DNN vom 30.03.2004, Alexander Keuck)

Konzert der Chöre der Apostel-, St.-Josephs- und der Weinbergskirche, 02.11.2003, Markuskirche Dresden-Pieschen „Paulus“ von F. M. Bartholdy Leitung KMD H.-D. Schöne …… „Bleibt noch die Rolle des reichen Instrumentalparts zu würdigen, der bei der Sinfonietta Dresden in besten Händen lag. Ihr waches, flexibles Spiel mit sehr schönen solistischen Leistungen an den ersten Pulten prägte in rein instrumentalen Passagen wie in der klangprächtigen Begleitung die Aufführung entscheidend mit …… .“ (DNN vom 04.11.2003, Gehard Böhm)

Konzert der Hochschule für Kirchenmusik Dresden, 25.10.2003, Lutherkirche Dresden Leitung Prof. Chr. Brödel …… „Hochkarätig dargebotene, musikalisch anspruchsvolle Raritäten waren es, die im überaus gut besuchten Konzert der Hochschule f. Kirchenmusik Dresden in der Martin-Luther-Kirche dargeboten wurden. ……Das Orchester breitete bei Mendelssohns „95. Psalm“ einen wunderbar dichten, beweglichen und homogenen Klangteppich aus, über dem sich der Chor in beeindruckender stimmlicher Transparenz und dynamischer Vielfalt präsentieren konnte ……Höhepunkt des Konzertes war Honeggers „Totentanz“, ein Werk voller illustrativer Tonmalereien und mitreißender Vielseitigkeit …… die Sinfonietta bestach durch rhythmische Präzision und ausgeprägte charakterliche Nuancierungsgabe …… .“ (DNN vom 29.10.2003, Jana Friedrich)

Konzert des Bachchor Dresden, Sinfonietta Dresden, 17.11.1999, Lutherkirche Dresden J.S. Bach, Messe h-moll Leitung  KMD M. Leidenberger …… „Ganz entscheidende Akzente setzte das Orchester – mit behutsam und homogen phrasierten Streicherpassagen, wirklich glanzvollen Trompeten und bestens disponierten obligate Soloinstr. bildete „Sinfonietta“ ein verlässliches Fundament …… .“ (DNN vom 19.11.1999, S. Graf)

Konzert der Sinfonietta Dresden, 18.01.1997, Kulturrathaus Dresden mit Werken v. A. Pärt, W.A. Mozart und F. Schubert Leitung  M. Kersten …… „Die Sinfonietta fand in jedem Satz der 4. Sinfonie von Franz Schubert die Intensität, die Schönheiten des Werkes bloßzulegen, bewies eine reife, die in Dresdens Konzertleben deutliche Zeichen zu setzen vermag …… .“
(DNN vom 21.01.1997, A.Keuck)